AMESCO: So entsteht alkoholfreier Schweizer Wein
Alkoholfreier Wein hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Statt einfacher Alternativen zu klassischem Wein entstehen heute Produkte, bei denen bereits der Ausgangswein und die anschliessende Entalkoholisierung gezielt aufeinander abgestimmt werden. Genau hier setzt das Schweizer Unternehmen AMESCO an.
AMESCO arbeitet mit verschiedenen Weingütern zusammen und verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz: vom Weinberg über die Vinifikation bis zur Entalkoholisierung. Als Grundlage dienen Qualitätsweine, deren Charakter auch nach dem Entzug des Alkohols möglichst gut erkennbar bleiben soll. Dafür setzt AMESCO auf ein eigens entwickeltes Filtrationsverfahren ohne Erhitzung.
Was ist AMESCO?
AMESCO ist ein Schweizer Unternehmen, das sich auf die Entwicklung alkoholfreier beziehungsweise entalkoholisierter Weine spezialisiert hat. Dabei produziert AMESCO nicht einfach einen eigenen Wein und entzieht diesem anschliessend Alkohol. Das Unternehmen arbeitet mit etablierten Weingütern zusammen und entwickelt die Weine gemeinsam mit den jeweiligen Produzenten.
Zu den Partnern gehören unter anderem Schweizer Weingüter wie das Bioweingut Lenz, Jürg Obrecht, Jürg Marugg und das Bachmann Weingut am Zürichsee. Je nach Herkunft, Rebsorte und gewünschtem Stil entstehen dabei Weiss-, Rosé- und Rotweine mit unterschiedlichem Charakter.
Der interessante Ansatz dabei: Die Entalkoholisierung wird nicht erst am Schluss isoliert betrachtet. Bereits bei der Auswahl und Herstellung des Ausgangsweins wird berücksichtigt, wie sich der Wein nach dem Entzug des Alkohols verändern könnte.
Wie funktioniert die Entalkoholisierung bei AMESCO?
Alkohol ist ein wichtiger Bestandteil von Wein. Er beeinflusst nicht nur den Alkoholgehalt, sondern auch Körper, Wärme, Aromawahrnehmung und Mundgefühl. Wird er entfernt, verändert sich deshalb zwangsläufig auch der Wein.
AMESCO verwendet für die Entalkoholisierung ein eigenes auf der Umkehrosmose basierenden Verfahren. Bei diesem kommt man ganz ohne Erhitzung aus. Ziel ist es, den Alkohol zu reduzieren und gleichzeitig möglichst viel von Aromatik und Struktur des Ausgangsweins zu bewahren.
Das unterscheidet den Ansatz von Verfahren, bei denen der Wein zur Alkoholtrennung stärker erwärmt wird. Trotzdem gilt auch bei einer schonenden Entalkoholisierung: Ein alkoholfreier Wein schmeckt nicht exakt wie sein alkoholhaltiger Ausgangswein. Der fehlende Alkohol verändert insbesondere Körper und Textur.
Entscheidend ist deshalb nicht nur die Entalkoholisierung selbst. Ebenso wichtig sind die Rebsorte, die Säurestruktur, die Frucht, der Ausbau und die Qualität des verwendeten Weins.
Warum arbeitet AMESCO ohne Erhitzung?
Aromen gehören zu den empfindlichsten Bestandteilen eines Weins. Viele davon sind flüchtig und können sich durch unterschiedliche Verarbeitungsschritte verändern.
Ohne Erhitzung bleibt die Aromatik und Struktur möglichst erhalten.
Für das Endprodukt ist das besonders wichtig, weil Alkohol nach der Entalkoholisierung als Geschmacksträger und strukturgebender Bestandteil fehlt. Frucht, Säure, Tannine und andere Bestandteile des Weins gewinnen dadurch zusätzlich an Bedeutung.
Ein guter Ausgangswein ist deshalb eine wichtige Voraussetzung. Ein einfacher oder unausgewogener Wein wird durch die Entalkoholisierung nicht automatisch besser.
Was verändert sich beim Wein ohne Alkohol?
Auch bei einem sorgfältig entalkoholisierten Wein verändert sich der sensorische Eindruck. Besonders deutlich zeigt sich das beim Mundgefühl. Ein klassischer Wein mit beispielsweise 12 oder 13 Volumenprozent wirkt meist voller und wärmer als ein entalkoholisierter Wein.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass alkoholfreier Wein dünn oder uninteressant sein muss. Säure, Frucht, Tannine, Extrakt und eine gut abgestimmte Balance können dem Wein Struktur geben.
Gerade deshalb unterscheiden sich alkoholfreie Weine heute teilweise stark voneinander. Einige sind bewusst leicht und frisch gehalten, andere versuchen möglichst viel klassischen Weincharakter zu bewahren.
Sensorik-Guide: Alkoholfreien Wein richtig degustieren
Alkoholfreier Wein sollte nicht eins zu eins mit klassischem Wein verglichen werden. Durch den fehlenden Alkohol verändert sich vor allem das Mundgefühl. Körper, Wärme und Länge können leichter wirken, während Säure, Frucht und Tannine stärker in den Vordergrund treten.
Achte bei der Degustation besonders auf drei Punkte:
Aromatik: Riecht der Wein klar und präzise? Fruchtige, würzige oder florale Noten sollten gut erkennbar sein und nicht flach wirken.
Struktur: Bei Weiss- und Roséweinen spielt die Säure eine wichtige Rolle für Frische und Spannung. Bei Rotweinen können Tannine zusätzlich Struktur geben.
Mundgefühl und Abgang: Alkoholfreie Weine wirken häufig leichter als klassische Weine. Entscheidend ist deshalb, ob sie trotzdem ausgewogen und angenehm am Gaumen bleiben.
Serviere Weiss- und Roséweine gut gekühlt. Auch alkoholfreie Rotweine können leicht gekühlt sehr angenehm wirken. Ein normales Weinglas gibt den Aromen genügend Raum.
Schweizer Weingüter als Partner
Ein interessanter Aspekt von AMESCO ist die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Schweizer Weinproduzenten. Statt eine einzige Stilrichtung vorzugeben, entstehen Weine, die ihre jeweilige Herkunft und Rebsorte widerspiegeln sollen.
Das Bioweingut Lenz im Thurgau arbeitet beispielsweise mit robusten Rebsorten und biologischem Weinbau. Aus dieser Zusammenarbeit sind mehrere alkoholfreie Weine entstanden.
Auch Jürg Obrecht in Graubünden produziert gemeinsam mit AMESCO entalkoholisierte Weine. Dazu gehört beispielsweise ein Rosé auf Basis von Pinot Noir. AMESCO begleitet den gesamten Entwicklungsprozess dabei als Zusammenarbeit vom Weinberg und der Vinifikation bis zur Entalkoholisierung.
Diese Partnerschaften machen deutlich, dass alkoholfreier Wein nicht als standardisiertes Industrieprodukt verstanden werden muss. Herkunft, Rebsorte und Stil des Ausgangsweins können auch nach der Entalkoholisierung eine wichtige Rolle spielen.
Beispiele für alkoholfreie Weine mit AMESCO-Technologie
NullKommaLenz
Die Zusammenarbeit mit dem Bioweingut Lenz gehört zu den bekanntesten AMESCO-Projekten. Dazu gehören verschiedene alkoholfreie Weine aus der Schweiz, die auf Weinen des Thurgauer Bioweinguts basieren.
Gerade bei Rotwein ist die Entalkoholisierung anspruchsvoll, weil Alkohol wesentlich zum Körper beiträgt. Deshalb sind bei einem alkoholfreien Rotwein neben der Frucht auch Tannine, Säure und Textur besonders wichtig.
Cuvée Rosé
Der gemeinsam mit dem Bioweingut Lenz entwickelte Cuvée Rosé basiert auf Cabernet Jura und Muscat Bleu. Er verbindet Frucht mit Säure und einer leicht cremigen Struktur. AMESCO führt ihn mit weniger als 0,5 % Alkohol.
Jürg Obrecht Rosé
Der alkoholfreie Rosé von Jürg Obrecht wird aus Pinot Noir hergestellt und stammt aus Graubünden. Er zeigt einen anderen Ansatz als die Lenz-Weine und unterstreicht, wie unterschiedlich alkoholfreie Schweizer Weine je nach Ausgangswein ausfallen können.
Sansal Blanc
Auch Sansal Blanc von Jürg Marugg gehört zu den Weinen, die mit AMESCO verbunden sind. Gerade solche unterschiedlichen Kooperationen zeigen, dass nicht eine einzelne Rebsorte oder Region im Mittelpunkt steht, sondern die gemeinsame Entwicklung eines geeigneten Ausgangsweins.
Wie werden AMESCO-Weine bewertet?
Eine interessante Orientierung bieten unabhängige Degustationen. Bei der Falstaff Entalkoholisiert Trophy Schweiz 2026 erreichten zwei mit AMESCO verbundene Weine jeweils 91 Punkte: der Nullkommalenz Rosé, der bei AMESCO als Cuvée Rosé geführt wird, sowie Sansal Blanc von Jürg Marugg.
91 Punkte waren bei diesem Tasting die höchste vergebene Bewertung. Weitere mit AMESCO verbundene Weine erreichten ebenfalls hohe Resultate.
Solche Bewertungen sind keine Garantie dafür, dass ein Wein jedem schmeckt. Sie zeigen aber, dass entalkoholisierte Schweizer Weine inzwischen auch in professionellen Degustationen ernst genommen werden.
Enthalten AMESCO-Weine noch Alkohol?
Nicht jeder entalkoholisierte Wein hat automatisch 0,0 % Alkohol. Bei verschiedenen AMESCO-Weinen wird ein Alkoholgehalt von unter 0,5 % Vol. angegeben.
Wenn du vollständig auf Alkohol verzichten möchtest, solltest du deshalb immer auf die konkrete Angabe des jeweiligen Produkts achten. Die Bezeichnungen 0,0 % und entalkoholisiert sind nicht automatisch gleichzusetzen.
Für die Kaufentscheidung ist deshalb die Produktdeklaration wichtiger als die allgemeine Bezeichnung „alkoholfrei“.
Enthält alkoholfreier Wein weniger Kalorien?
Da Alkohol mit rund 7 kcal pro Gramm einen erheblichen Teil des Energiegehalts eines klassischen Weins ausmacht, enthalten entalkoholisierte Weine häufig weniger Kalorien.
Wie gross der Unterschied tatsächlich ist, hängt aber auch vom Zuckergehalt und von der Rezeptur des jeweiligen Weins ab. Ein Blick auf die Nährwertangaben ist deshalb sinnvoller als pauschale Vergleiche.
Beispielsweise werden für den Jürg Obrecht Rosé 19 kcal pro 100 ml angegeben, während andere AMESCO-Produkte je nach Zusammensetzung andere Werte aufweisen.
Für wen sind AMESCO-Weine interessant?
Alkoholfreie Weine sprechen heute sehr unterschiedliche Menschen an. Manche möchten beim Essen oder Apéro bewusst auf Alkohol verzichten, andere müssen später noch fahren oder möchten ihren Alkoholkonsum generell reduzieren.
Auch für Gastgeber werden hochwertige alkoholfreie Alternativen immer wichtiger. Statt Wasser oder Süssgetränken kann ein entalkoholisierter Wein eine Möglichkeit bieten, auch ohne Alkohol einen passenden Begleiter zum Essen oder zum Anstossen anzubieten.
Welcher Wein dabei passt, hängt vom persönlichen Geschmack ab. Wer klassische Weine gewohnt ist, sollte insbesondere auf Säure, Trockenheit, Körper und Weinnähe achten.
Fazit: Schweizer Wein und moderne Entalkoholisierung
AMESCO verbindet klassische Weinbereitung mit moderner Entalkoholisierung. Besonders interessant ist dabei die enge Zusammenarbeit mit Schweizer Weingütern: Der Prozess beginnt nicht erst beim Entzug des Alkohols, sondern bereits bei der Auswahl und Entwicklung des Ausgangsweins.
Das eigens entwickelte Filtrationsverfahren arbeitet nach Angaben von AMESCO ohne Erhitzung und soll möglichst viel von Aromatik und Struktur des ursprünglichen Weins bewahren. Gleichzeitig bleibt alkoholfreier Wein ein eigenständiges Produkt: Durch den fehlenden Alkohol verändern sich Körper, Textur und Geschmack.
Die unterschiedlichen AMESCO-Weine zeigen, wie vielfältig diese Kategorie inzwischen geworden ist – von frischen Weiss- und Roséweinen bis zu strukturierten Rotweinen aus Schweizer Produktion.
Häufig gestellte Fragen
Wie funktioniert die Entalkoholisierung bei AMESCO?
AMESCO verwendet ein eigenes filtrationsbasiertes Verfahren, das ohne Erhitzung arbeitet. Ziel ist es, den Alkohol zu reduzieren und gleichzeitig möglichst viel von Aromatik und Struktur des Ausgangsweins zu bewahren. Entscheidend ist dabei auch, dass Ausgangswein und Entalkoholisierung aufeinander abgestimmt werden.
Schmeckt AMESCO-Wein genau wie klassischer Wein?
Nicht genau. Alkohol beeinflusst Körper, Wärme und Mundgefühl eines Weins. Wird er entfernt, verändert sich deshalb auch der sensorische Eindruck. Je nach Ausgangswein können Frucht, Säure, Tannine und Struktur jedoch weiterhin deutlich wahrnehmbar sein.
Welche Schweizer Weingüter arbeiten mit AMESCO zusammen?
Zum Sortiment gehören Weine aus Kooperationen mit verschiedenen Schweizer Produzenten, darunter das Bioweingut Lenz, Jürg Obrecht, Jürg Marugg und weitere Partner. Das Sortiment kann sich im Laufe der Zeit verändern.
Haben AMESCO-Weine 0,0 % Alkohol?
Nicht alle. Bei verschiedenen AMESCO-Weinen wird ein Alkoholgehalt von weniger als 0,5 % Vol. angegeben. Wenn dir 0,0 % wichtig sind, solltest du die Alkoholangabe des konkreten Produkts prüfen.
Wo kann ich AMESCO-Weine kaufen?
Ausgewählte AMESCO-Weine findest du bei spezialisierten Händlern für alkoholfreien Wein sowie direkt bei AMESCO. Bei alkohol-frei.ch kannst du verschiedene alkoholfreie Schweizer Weine nach Stil, Herkunft und Geschmack vergleichen.